Allgemein

Wieso es (manchmal) positiv sein kann, keine Eltern zu haben!

19. September 2016

Heute widme ich mich mal dem Thema, welches für mich eine sehr ausschlaggebende Rolle spielt. Die lieben Eltern. Ja, diese haben doch eine größere Rolle als ich vermutet hatte. Gerade was das unabhängige Leben betrifft, sind sie ein wichtiger Baustein für Entscheidungen, die man treffen möchte. Aber wieso sind sie mit 23 Jahren noch so extrem wichtig?  Schließlich ist man doch raus aus dem Alter, bei dem man wegen jeder Kleinigkeit bei seinen Eltern um Rat bittet. Oder nicht?  Spätestens jedoch, wenn man mit dem Gedanken spielt das Land zu verlassen, kommt dann doch der Gedanke an die Familie.

Jedesmal ernte ich betroffene Gesichter, wenn ich so leicht dahinsage, dass ich ohne meine Eltern klar kommen musste. Keiner versteht, wieso mich das nicht so sehr mitnimmt, wie man denken mag. Noch schlimmer ist Mitleid. Ich leide nicht, also muss auch einer mitleiden. So einfach ist das. Und wieso das so geil sein soll keine Eltern zu haben? Ganz einfach. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Ich kann morgen entscheiden, einfach nach Irland auszuwandern. Keiner sagt Etwas dazu. Genau das gleiche habe ich vor einem Monat entschieden. Aber morgen kann ich das nochmal entscheiden.

Immer noch Stille

Nichts.

Keiner der sagt: „Mensch Lia, lass den Blödsinn!“

Ich könnte diese Entscheidung eigentlich jeden Tag treffen. Immer und immer wieder. Wenn ich ein bisschen übertreiben will, reise ich ohne Ersparnisse. Huch. Auch das ist mein Plan. Und?

Immer noch Stille.

Keine Mam und kein Dad, die sagen: „Bleib vernünftig, höre besser auf uns! Du kannst doch nicht einfach so verschwinden!“

kind3

Eigentlich auch traurig, wenn man bedenkt, dass man so ziemlich alleine mit dem Gedanken ist, sein Leben so zu leben, wie man Bock hat in solchen Momenten. Keiner sorgt sich ernsthaft um Dich. So eine Stille kann manchmal dann doch unerträglich werden. Wieso sagt denn keiner was? Aber spätestens wenn ich mein Ticket für die Fähre buche, mein Leben Revue passieren lasse, merke ich, wie eine große Erleichterung mich packt. Ich habe keine Gewissensbisse einfach zu gehen. Ich werde niemanden zurücklassen, der mich ernsthaft brauchen wird.

Wieso mich die Frage beschäftigt? Ganz einfach, ich bekomme so viele Nachrichten von Menschen, die mir schreiben:

„Ich würde so gerne in ein anderes Land ziehen, aber meine Eltern brauchen mich!“

„Ich kann meiner Mutter das einfach nicht antun, sie wäre sonst alleine ohne mich!“

„Meine Eltern lassen mich nicht los, ich will sie nicht enttäuschen!“

 

kind

Ich war immer furchtbar froh keine Eltern zu haben und einfach tun zu können was ich wollte. Was genau für eine Freiheit das sein kann, habe ich erst durch solche Nachrichten erfahren. Es macht mich wahnsinnig traurig, solche Nachrichten zu bekommen. Ich habe es nie erlebt, so eine emotionale Verbundenheit zu haben, sodass ich nicht von einem Ort wegkonnte.

Man liebt seine Eltern und möchte sie nicht verletzen, aber ich frage mich dabei wirklich ernsthaft, für wen wir unser Leben leben? Für uns oder für Andere? Sollten wir unser Leben nach unseren Erzeugern ausrichten, nur um sie nicht zu enttäuschen? Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht gesund ist, sich aus solchen Gründen, wie oben genannt für so eine lange Zeit an andere Menschen zu binden und das Leben alleine nach ihnen zu richten.

Manchmal sollten wir ganz tief in uns gehen und uns fragen, was wir wirklich wollen und für wen wir eigentlich leben!

 

You Might Also Like

12 Comments

  • Reply Vivien 20. September 2016 at 10:01

    Wow, dieser Post hat mich zum Nachdenken gebracht. Aus verschiedenen Gründen. Einerseits, weil ich sehr lange Entscheidungen traf und mich im inneren immer fragte, ob meine Eltern das gut heißen würden. Was sie von mir denken werden, wenn ich dies oder jenes mache. Lange habe ich Dinge getan, in der Hoffnung, dafür Anerkennung von ihnen zu bekommen. Doch, wie du schon schreibst, ist unser Leben.
    Natürlich haben sie nie von mir verlangt, so zu leben, wie sie es tun würden und auch oft genug machte ich einfach mein Ding, obwohl sie mir davon abrieten. Und auch, wenn diese Stimme in meinem Kopf inzwischen recht leise wurde, ist sie nie fort gegangen oder verstummt.
    Andererseits stimmt es mich nachdenklich, weil ich dabei auch über meine Tochter nach denke. Denn ich will gar nicht, dass sie ihre Entscheidungen meinetwegen trifft, sondern weil SIE sie richtig findet. Ich denke, dass das gar nicht so einfach ist, seine Kinder dahingehend zu erziehen. Und auch so loslassen zu können, ist sicher schwer. Aber gesünder ist sie sicher…
    Danke für deine Gedankenanregung und eine wundervolle Zeit in Irland und wohin auch immer dich deine Füße tragen werden. 🙂

    • Reply Lia Falinski 20. September 2016 at 12:41

      Vielen Dank für deinen Kommentar und Deine ehrliche Art hier zu schreiben 🙂 Es freut mich, dass ich dich dazu anregen konnte solche Dinge zu beachten. Ich denke gerade in der heutigen Zeit, in der man nie weiß, wie es kommt, sollte man seinen Kindern zeigen, dass man sich auch mal lösen kann! Man hat nur das eine Leben 😉 Vielleicht sprichst Du sie mal darauf an, ich weiß ja nicht wie alt sie ist, aber es ist immer gut sich darüber auszutauschen 🙂 Manche fühlen sich wie in einem Gefängnis und trauen sich nicht raus, aus Angst ihre Eltern zu enttäuschen.
      Alles Liebe Lia

  • Reply Jelena 20. September 2016 at 21:08

    Wow ich wusste bis dato gar nicht dass du Elternlos bist, ich habe bis heute nur auf Facebook die Fotos gefolgt. Ich bin zwar nicht elternlos, aber dennoch sind es nicht sie dich mich zurueckhalten wuerden auszuwandern, sie leben selber in Simbabwe, wo ich auch Abitur gemacht habe.
    Wir sind mein ganzes Leben lang immer umgezogen, wegen dem Job meiner Eltern, dass umziehen fuer mich meine 2. Natur ist. Aber trotzdem merke ich wie sehr sie mich beeinflussen bei meinen Entscheidungen auch nur durch einen Satz oder einer Unterhaltung, also kann ich dich sehr gut verstehen mit dieser Zufriedenheit damit, da ich mich auch unbeabsichtigt ihrerseits doch mal hier und da zurueck gehalten gefuehlt habe…
    Du bist ungebunden und hast Fluegel, ich bin so froh, dass du sie nutzt~~ ich suche auch gerade wo mein naechstes Ziel ist 🙂 Zu viele haben angst davor!!

    • Reply Lia Falinski 20. September 2016 at 21:14

      Ja das ist Etwas, was ich jetzt nicht jeden Tag rausposaune 🙂 ich schäme mich nicht dafür und kann damit sehr gut leben 🙂

      Das mit dem beeinflussen kenne ich nicht, deshalb ist es für mich immer so schwer nachzuvollziehen wieso sich manche nicht trauen 🙂 Ich war schon immer spontan und wollte drauflos 🙂

  • Reply Warum ich eure Anerkennung nicht verdient habe! | Join my escape! 4. Oktober 2016 at 21:05

    […] zu treffen. Sicher kommen jetzt wieder viele, die sagen : Aber…. Was aber? Das du Familie hast, die dich behindert? Oft frage ich mich, ob die Menschen bereuen, wie sie ihr Leben führen.. […]

  • Reply Angela 1503 11. Oktober 2016 at 17:05

    Gut geschrieben, auch wenn mich das trotzdem traurig macht.
    Meine Mutter hat mich ziemlich frei erzogen und auch letztens hatten wir das Thema, als ich meinte, aber ich kann doch nicht noch weiter weg ziehen – sagte sie: doch, weil DU musst Dein Leben leben, nimm dabei auf mich keine Rücksicht. Es wäre egoistisch von mir, so zu denken. mach das, was DICH glücklich macht. Sie meint das wirklich genau so … und trotzdem habe ich eigene Fesseln 🙁 …

  • Reply Lela G 17. Oktober 2016 at 5:36

    Und noch ein wahrer Beitrag…. meiner Mutter gefällt es gar nicht, dass ich auswandere. Ich bin die jüngste in der Familie und diejenige, die bisher noch am nächsten zu ihr wohnt. Aber wie Du so richtig schreibst: ich lebe mein Leben für mich, und MEIN Traum ist es, nach Irland zu gehen! Also mach ich das. Egal was andere sagen.

    • Reply Lia Falinski 2. Februar 2017 at 13:31

      Es klingt manchmal sehr hart und im wahren Sinne habe ich ja gar keine Erfahrung mit Eltern, aus dem Grund ist es schwer sich eine Meinung zu bilden. Aber ich weiß, wie wichtig es ist sein eigenes Leben zu führen und auch mal für sich zu entscheiden. Es ist egoistisch wenn man andere Menschen zwingt das Leben zu führen, was sie nicht leben wollen 🙂

  • Reply Alex 25. Januar 2017 at 22:07

    ein sehr guter beitrag, der sehr zum nachdenken anregt! ich glaube, dass eltern ihre kinder unterstützen sollten, aber nicht an sich binden. immerhin haben ja die eltern sich für die kinder entschieden und nicht umgekehrt. eine freundin hat das mal so nett formuliert: ich begleite meine kinder nur auf einem teil ihres lebensweges. ich finde es schade, wenn eltern kinder nicht loslassen können. ich selber bin auch schon früh weg von meinen eltern, lebe inzwischen eher weit weg und sehe sie nicht oft. ich kann durchaus deine freude über eine ungebundenheit nachvollziehen.

    • Reply Lia Falinski 2. Februar 2017 at 13:32

      das klingt echt schön 🙂 Ich finde es immer so schade, wenn ich höre wie Menschen ihr ganzes Leben nicht gelebt haben, nur weil sie sich für andere verbogen haben 🙂 Danke für Dein Kommentar Alex

  • Reply Vroni 13. April 2017 at 22:37

    Hallo Lia,

    Ich kann deine Sichtweise echt nachvollziehen. Jeder von uns wünscht sich ja schließlich Freiheit und Unabhängigkeit. Aber ich möchte auch ein paar Gründe nennen, warum Eltern oft unfassbar wichtig sind: Ich behaupte nicht, dass du es in deiner Kindheit einfach hattest, aber immerhin bist du in einem Land aufgewachsen, dass dir Freiheit geben kann. Ich denke an die Kinder die im Krieg aufwachsen müssen. Für diese ist es vermutlich enorm wichtig, dass ihre Eltern ihnen Werte vermitteln, damit sie diese Zeit durchstehen, damit sie nicht alleine sind und eine Schulter zum anlehnen haben, eine Hand zum festhalten. Jemand muss ihnen den Weg weisen, damit sie nicht in den dunklen Abgründen, wie zum Beispiel dem des Extremismus und Terrorismus verloren gehen. Ich weiß, das ist jetzt ein sehr extremes Beispiel, aber ich denke es zeigt ganz gut, was die Aufgabe von Eltern ist. Meiner Meinung nach kommt es immer auf die Situation des Kindes an. Lebt es in einem besseren Umfeld, wie hier in Deutschland, müssen die Eltern ihren Kindern mehr Freiheiten lassen. Aber auch hier müssen Werte vermittelt und Weichen gestellt werden. Sicher, du hast es auch ohne Eltern geschafft, auf den richtigen Pfad zu kommen, aber du bist stark. Viele Kinder haben einfach nicht die Kraft, sich ihren weg zu suchen, grade wenn die Abgründe so verlockend rufen. Dennoch stimme ich dir voll und ganz zu, dass es gut ist, wenn man zum Beispiel in seinen Entscheidungen nicht an andere und das eigene schlechte Gewissen anderen Gegenüber gebunden ist. Ich selbst habe Einiges nicht machen können, weil meine Eltern es nicht wollten oder weil ich Hemmungen hatte sie zu fragen. Nicht, dass das hier falsch rüber kommt; meine Eltern haben mir unglaublich viel ermöglicht und tun das auch weiterhin und ich bin mehr als glücklich mit meiner Situation, bei Einigem hab ich auch erkannt, jetzt wo ich älter bin, warum ich gewisse Dinge nicht durfte. Aber trotzdem gibt es Einiges, woran mich meine Eltern, mein Gewissen oder – ich bin ehrlich – meine Angst vor der Reaktion meiner Eltern gehindert haben. Aber ich würde diese Dinge niemals gegen meine Eltern eintauschen!!! Das hört sich jetzt blöd an, aber was ich meine ist, dass ich diese Dinge niemals tun würde, wenn es bedeuten würde, meine Eltern zu verlieren. Dafür haben mir meine Eltern einfach zu viel geschenkt und ich liebe sie zu sehr. Du kannst das vielleicht nicht so nachempfinden aber ich denke du kennst Maribel von ihrem Instagram-Account beautylucky_ oder maribel.todt_fotografie. Ich denke, bei ihr sieht man deutlich, was Eltern für ein Kind bedeuten, wenn man sein bisheriges Leben mit ihnen verbracht hat und vor allem, was es bedeutet sie zu verlieren. Ich denke, man muss abwegen, ob es die Freiheit und die Unabhängigkeit wert sind, seine Familie aufzugeben. Klar ist das leicht, wenn man keine Familie hat oder die Familie einen von klein auf vernachlässigt oder vielleicht sogar gequält hat. Wenn man seine Familie liebt und sie einem wichtig sind, sollte man auch an sie denken. Nicht als erstes, aber man sollte daran denken. Ja, viele nennen das Egoismus aber du hast völlig recht: Wenn es um das eigene Leben geht, darf man egoistisch sein. Muss man. Außerdem: Wenn die Familie einen genauso liebt, wie man selber die Familie, dann gibt sie einem die Freiheit, die man haben will.
    Grundsätzlich also: Ich denke dass die Eltern für viele Kinder unverzichtbar sind. Sie sollten aber den Kindern so viel Freiheit lassen, wie sie benötigen und sie in Entscheidungen unterstützen, auch wenn diese ihnen nicht so gefallen. Dabei sollten sie immer darauf Achten, dass die Kindern nicht vom Weg abkommen. Das ist jetzt ein Idealbild und gleicht eher einer Bilderbuchfamilie als der Realität, aber das ist meine Meinung. Dein Standpunkt ist für mich aber vollkommen verständlich, aus deiner Situation heraus. Es ist ja auch unser Umfeld, dass uns prägt und daher denke ich, sind Eltern und andere Bezugspersonen generell für jeden unterschiedlich wichtig. Es wird immer Leute geben, die du zurücklassen musst, wenn du deinen eigenen Weg gehst, aber es gibt auch die, die dich immer Begleiten. Bei mir – und ich denke auch bei vielen anderen – sind das eben die Eltern.

    Und noch etwas: Bitte hör nie auf an deine Träume zu glauben und deinen Weg mit uns zu teilen. Du schreibst unglaublich tolle Beiträge. Deine Themen sind beeindruckend und so tiefgründig. Ich finde es unglaublich spannend, deinem Weg zu folgen und hoffe, dass ich das noch lange tun kann. Deine Bilder wecken eine gewisse Sehnsucht und Abenteuerlust in mir. Auch wenn ich nicht vorhabe, einen ähnlichen Weg wie du zu gehen, reizt mich doch der Gedanke manchmal und ich bin gespannt auf dass, was mich „da Draußen“ erwartet, wenn ich meinen Abschluss habe. Manchmal finde ich es schade, dass ich danach gleich Studieren will, was bedeutet, wieder gebunden zu sein. Der Gedanke der Freiheit, wie du sie hast, reizt mich schon, aber mein Traum liegt in meinem Beruf. Ich sehe jetzt zu, dass ich meinen Studienwunsch auch gegen die Empfehlung meiner Mutter verwirkliche und vielleicht hab ich ja dann doch irgendwann Lust, meine Freiheit auszuleben und unabhängig von Beruf und Familie zu sein. Ich lass das erstmal auf mich zukommen, da ich ja noch nicht 100%-ig weiß, ob dieser Beruf wirklich das ist, was ich machen will, aber ich wäre auf jeden Fall froh, dein „escape“ solange als mentalen „escape“ für mich, begleiten zu können.

    LG Vroni

    • Reply Lia Falinski 15. April 2017 at 16:56

      wow, du haust mich ja wieder aus den Socken 😀

      Ja, ich kann dir da nur zustimmen, immer eine Sache der Sichtweise und jeder ist individuell und braucht verschiedene Dinge. Wäre ich mit Menschen aufgewachsne, die mich geschätzt hätten und mich so lieben würden, wie ich bin, dann würde ich sicher auch anders denken. Aus dem Grund schrieb ich im Titel bewusst das Wort „Manchmal“, da es auch seine schattenseiten hat. Wie du ja bereits sagtest, braucht man manchmal die Eltern und den Halt! 🙂
      Liebe grüße lia

    Leave a Reply