Reisebericht Irland

Samir wird Papa und ich arm! #4

15. Dezember 2016

Letzter Beitrag:  Wohin mit meinem Hund? 

„Nehm ne Regenjacke mit!“

„Kauf Dir auf jeden Fall Gummistiefel!“

Dieses Sätze und kritische Blicke, erntete ich sehr oft vor meiner Abreise nach Irland . Manchmal wurde dabei auch noch ein herzlicher Lacher losgelassen. „Weißt Du eigentlich worauf Du Dich da einlässt?“

Lass mal überlegen. Nö!

Ich habe Irland zuvor noch nie gesehen. Meine Google Suche war stets dieselbe. Grüne Wiesen, Berger und viel Wasser. Aber schon immer war es so, dass ich das selbst gesehen haben musste, um mir eine Meinung zu bilden. Aus Erfahrung weiß ich, dass Bilder nichtmal ansatzweise transportieren können, was sie sollten. Die Realität sieht dann wieder ganz anders aus.

Die Realität ist so eine Sache. Meine Freunde hören meine Geschichten und nicht nur einmal kam die Frage, ob ich denn nicht Etwas übertreiben würde.

„Lia, so verrückte Sachen erlebt man nicht!“

Wenn man so drauf ist wie ich, ist das schon möglich. Simone und Verena durften selbst Zeuge meines gestörten Hundes sein.

Sieht er nicht total unschuldig aus? Denkste!

Ich hatte den Auftrag ein Pferd zu einer Weide zu bringen. Also rauf aufs Pferd, ein Handpferd und los ging die Tour. Nach nicht einmal einer Stunde bog ich um die Ecke und sah Etwas, was man in Deutschland wohl „Einmal Sahne in den Kaffee gießen“ nennen würde. Bessergesagt war Samir gerade dabei seinen Beischlaf mit einer jungen Golden Retriever Dame zu vollführen. Nein, nein meine Lieben. Denkt jetzt nicht, ich beschreibe euch, wie versaut das Ganze ablief. Als ich nämlich ankam, suchte ich vergeblich Samir´s Blick. Der starrte nämlich total verlegen in die andere Richtung und wusste nicht so recht wie ihm geschah. Die Hündin grinste mich ungeniert an und wedelte freudig mit ihrer Rute.

Bei Samir wedelte nichts mehr. Er wäre glaube ich vor Scham gerne im Boden versunken. Können sich Hunde schämen?

Das wars dann wohl mit Unabhängigkeit und Freiheit. Samir hat jetzt eine Familie 😀

Aber bei diesem einen Mal blieb es natürlich nicht. Ich weiß gar nicht was ich zuerst beschreiben soll. Wie Simone fast vor Lachen vom Pferd gefallen wäre, oder wie Samir es schaffte ein zweites Mal seine Gene an die gleiche Hündin weiterzureichen? Beides passiert! Ich schwöre! Sogar zur selben Zeit. Unvorstellbar wie schnell das gehen kann. Doch wie kann es eigentlich überhaupt dazu kommen? Nun, man nehme eine läufige Hündin in der Standhitze auf einem – Nicht eingezäunten – Grundstück. Dazu noch einen äußert potenten Hund, der merkt, das das, was da unten rumbaumelt nicht nur zum zeigen beim – sich wild wälzen – ist. Da hatte ich den Salat. Ich war noch keine zwei Wochen in einem anderen Land, schon war ich fast obdachlos, mein Hund besteigt die Nächstbeste die er finden kann und Ach ich vergaß zu erwähnen, dass da noch eine kleine Großigkeit auf das Konto meines Hundes ging.

eines der schönsten Plätze in einem der schönsten Länder der Welt! Die Mountains…

Diesmal spielt sich das ganze in den Mountains ab, ist viel unlustiger und teurer als das Erste. Man stelle sich vor. Vier Reiter auf vier Pferden und ein Hund galloppieren einen sanften Hügel hinauf. Der Wind zerzaust Dir die Haare. Du spürst die Freiheit. Keine Zäune. Um dich herum liegen Schafe auf dem Weg und…. Ja genau. Keine Zäune und Schafe um dich herum, war das Letzte, was ich dachte, als ich mein Pferd sehr plötzlich zum Stehen brachte und mich umschaute. Denn nicht alle Schafe blieben so idyllisch am Wegesrand liegen. Und das Bild, dass sich mir dann bot war weit entfernt von jeder Idylle an einem so wunderschönen Ort. Das Ende vom Lied war ein Samir, der eingeklemmt unter einem Schaf im Graben lag. Das Schaf musste ich gleich mit rausziehen. Humpelnd zog es davon. Im bin mir sicher, Samir hätte gerne einmal probiert. Nachdem ich mich versichert hatte, dass keine Bisswunden zu sehen waren, kam auch schon der Farmer, dessen Hunde ihm deutlich zu verstehen gegeben haben, dass da Etwas ganz Komisches auf seinem Field passiert. Zum Glück war der Farmer sehr freundlich und versprach sich zu melden, wenn er merkt, dass das Schaf bleibende Schäden hatte.

Bei solch einem Anblick ist der Regen in den Bergen schnell vergessen…

Eine Woche später fuhr ich mit Michael zu dem besagten Farmer und bezahlte zweihundert Euro für ein verletztes und ein Totes Schaf. Ich bin mir sehr sicher, dass das Tote nicht auf Samir´s Mist gewachsen ist, jedoch war Diskutieren nicht gerade das angebrachteste, was ich anbieten konnte, also schluckte ich erstmal und bezahlte den Preis. Ich wusste, ich hatte einen Fehler gemacht und den musste ich mir eingestehen. Samir kommt auf die Bergtouren also nicht mehr mit. Wieder mal hat mich Michael gerettet, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Wieso gibt es solche Helden nicht in Deutschland? Mir war das Ganze schrecklich peinlich. Ich mag seinen Humor einfach sehr. Auf dem Rückweg witzelte er, dass ich ja keinen Stall für mein eben gekauftes Schaf hätte. In der Tat war das richtig. Jedoch darf ich es sicher mal besuchen 😉

Ja dieser Hund macht mir das Leben hier nicht einfach. Jedoch wird er mich noch lange begleiten und ich liebe ihn noch genauso wie vorher. Ich bin sicher wir werden noch viele tolle Dinge hier erleben! Ich bin mehr als glücklich in Westport leben zu dürfen!

Achja: Ariel erwartet ihre Babys kommende Woche! Ich bin noch schwer am überlegen, mich in einen Welpen zu verlieben. Weiß aber auch, wie sehr meine Entscheidung mein Leben verändern würde. Ich lasse letztendlich meinen Bauch entscheiden, wenn es soweit ist!

 

 

 

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3 Comments

  • Reply Sangeeta 15. Dezember 2016 at 20:28

    Hmmmm, da hast du ja wirklich Glück gehabt, dass der Farmer das so locker genommen hat mit seinen Schafen und nur 200€ haben wollte. Normalerweise zögern die nicht und knallen einen wildernden Hund ab und das dürfen sie auch. Wildernde Hunde sind in Irland ein echtes Problem. Es sind oft große Hunde, die meistens von den Travellern ausgesetzt werden, wenn sie nicht mehr zum Kampf, zu Rennen oder zur Jagd zu gebrauchen sind und die rotten sich dann zusammen und reißen Schafe weil sie ja irgendwas zu fressen brauchen.
    Wirst du Samir jetzt kastrieren lassen? Abgesehen von ungewünschtem Nachwuchs wirst du dieses Problem jetzt immer haben wenn in der Nähe eine Hündin läufig ist. Und Nähe kann schon ein paar Kilometer sein, denn die Nase des Rüden ist scharf. Meine Hunde waren in den Zeiten, in denen es läufige Hündinnen gab, nicht mehr zu halten und irgendwann musste ich Alimente zahlen….

    • Reply Lia Falinski 16. Dezember 2016 at 2:13

      Hallo Sangeeta,

      Das mit dem Abschießen kenne ich auch so und war mir auch klar. Bisher gab es nie Probleme mit meinem Hund und den Schafen. Ich habe daraus gelernt und werde ihn bei den Ritten, wo ich ihn nicht abrufen kann auch nicht mehr mitnehmen können. Über die Kastration denke ich schon länger nach, da er zunehmend dominanter und nervöser wird. Bisher war das niemals eine Option für mich, da ich viel Kontakt zu Menschen hatte, die eine läufige Hündin hatten und nie gab es Probleme, da er absolut kein Interesse zeigte. Da es in Irland etwas anders läuft und die Hunde nicht immer hinter Zäunen sind, werde ich ihn wohl oder übel mal kastrieren müssen. In Deutschland ist das ja kein großes Problem einen unkastrierten Rüden zu haben. Anders ist das in Irland, wo die meisten Höfe hier kein geschlossenen Zaun haben. 🙂

  • Reply Ich werde Mama!! | Join my escape! 10. Februar 2017 at 21:43

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