Irland, Reisebericht Irland

Eine Babykatze mit in den Urlaub? Mein Leben steht Kopf!

20. August 2017

Brechende Wellen am Strand.
die untergehende Sonne am Lagerfeuer beobachten.
Morgens die ersten Sonnenstrahlen am Meer genießen. 

Ich bin nicht alleine! Meine abenteuerlustige Welt nimmt eine überraschende Wendung, die mal wieder so „Typisch Lia“ ist, wie meine Freunde immer zu sagen pflegen. Es überrascht niemanden mehr, wenn ich sage, ich hätte ein kleines Katzenbaby gefunden und bin damit vier Tage durch Irland gereist. 
Aber fangen wir von vorne an. 

Der internationale Tag der Katze. Zufall? 

Es ist mittlerweile fast Dunkel und die Hunde zeigen mir an, dass sie gerne in den Garten wollen. Nichtsahnend öffne ich die Balkontür und lasse sie raus. Keine zehn Sekunden später hechtet Samir aufgeregt von einer Ecke zur anderen. Er scheint verunsichert, hechelt aufgeregt und so beschließe ich mir die ganze Sache mal anzusehen. Die Dämmerung erschwert mir die Sicht, aber das Licht meiner Taschenlampe verrät mir, weshalb mein Hund so aus dem Häuschen ist.
Ein kleiner heller Bündel Fell liegt dort und schaut mich mit riesigen Kulleraugen an.
Ein Katzenbaby. Und das am internationalen Tag der Katze. Zufall?

Ich zögere.

Zu oft habe ich gelesen, dass man kleine Tierbabys nicht anfassen darf. Weitere 20 Minuten später, in der ich an der Glasscheibe klebe und das Geschehen draußen beobachte vergehen. Dann wird mein Mitleid zu groß. In eine warme Decke gewickelt verschwindet das Katzenbaby im Gästebad. Ich richte frisches Wasser, Leberwurst und Thunfisch für das Kätzchen und beschließe die Nacht erstmal schlafen zu gehen. Mit großer Verwirrung schaffe ich es auch.

Ein neuer Tag und ein falscher Zeitpunkt!

Als ich aufwache brauche ich etwas um an den gestrigen Vorfall zu denken. Aufgeregt hechte aus dem Bett und öffne die Tür zum Gästebad. Riesige entzündete Babykatzen-Augen starren mich von ganz unten an. Das Wasser ist fast leer. Ebenso das Futter. Unschlüssig weiß ich nicht so recht was ich machen soll.

Wohin mit dem Kätzchen? Da ich sehe, wie schlecht der Zustand des Kleinen ist, mache ich mich sofort auf zu meiner Tierärztin. Absolut überrascht bin ich von der Ruhe des Baby´s. Kein Fauchen, kein Miauen. Es sitzt einfach da wo es eben sitzt.

Sicher ist es völlig apathisch

denke ich mir.

Die Tierärztin zögert nicht und hilft mir sofort. Um die geschwächte Katze nicht noch mehr zu belasten, beschließen wir, dass ich die nächsten drei bis vier Wochen regelmäßig komme und wir nacheinander Wurmkur, Antiobiotika und weitere Medikamente verabreichen. Die Katze stellte sich dann auch als Kater heraus. Ein Katzenschnupfen plagt das kleine Wesen.

Behälst du die Katze? 

öhm, ja?

Toll, dann hat sie jetzt ein schönes Zuhause!

Behalte ich sie? Behalte ich sie nicht? Will ich einen Kater? Mein Kopf qualmt. Ich bin Hundemensch und Katzen haben in meinem Leben keine große Rolle gespielt. Allerdings zögere ich keine Sekunde, wenn es um ein Katzenleben geht. Große Verwirrung macht sich breit. Die nächsten Tage sind Campen geplant. Vier Tage rund um die Westküste Irlands. Zuvor habe ich verabredet eine Freundin am Dubliner Flughafen abzuholen. Der denkbar schlechteste Zeitpunkt für einen solchen Pflegefall. 

BABYKATZE

„Behalte sie!“ – „Super eine Reisekatze!“ – „Dann seid ihr wohl ab jetzt zu viert!“ 

Durchweg positive Resonanz ernte ich auf Facebook, als ich anfange Bilder zu posten. Ich hab absolut keine große Ahnung von Katzen. Vorrangig für mich ist, dass es dem Tier gut geht und es mit meinem Leben klar kommt. Welche Regeln andere Menschen für das Tier aufstellen scheint mir in diesem speziellen Fall zweitrangig. Auf Instagram finde ich immer mehr Accounts, die sich mit Reisen und Katzen beschäftigen. Meine Zweifel bleiben bestehen, aber ich fühle mich etwas befreiter.
Zwei Hunde sind beim Reisen schon eine große Herausforderung.

Aber eine Katze mit in den Urlaub nehmen?

Ich durchforste Google nach Antworten und werde schnell fündig. In keinem Forum sehe ich auch nur eine negative Aussage zu den Fragen: Reisen mit Katze? oder Urlaub mit Katze? Auf Whatsapp schicke ich meiner Freundin ein Foto von dem kleinen Katzentier mit dem Text:

„Denkst du die können wir mitnehmen?“

Auch hier widerspricht mir keiner. Lange war ich mir nicht mehr so unsicher was eine Entscheidung betrifft.

Mein Herz und mein Kopf haben nichts mehr zu sagen!

Ich treffe eine Entscheidung, die mir als einzig Richtige in den Sinn kommt. Hier wird nicht mein Herz entscheiden und auch mein Kopf hat hier Nichts zu suchen.

Der Kater darf entscheiden!

Es mag seltsam klingen, aber der Kater wird entscheiden ob und wie lange er bei mir bleiben möchte. Katzen sind nicht wie Hunde, die sich ergeben und vor sich hinvegetieren. Wenn eine Katze sich nicht wohl fühlt, lässt sie mich das spüren. Ich beschließe den Versuch zu wagen und es darauf ankommen zu lassen. Im schlimmsten Fall habe ich einen Kontakt an der Hand, der mir den Kleinen sofort abnehmen würde, wenn ich mich dort melde. Innerlich habe ich eine Liste an Dingen, die gegeben sein müssen um den Versuch als geglückt abzuhaken.

  • Autofahrten dürfen nicht im Stress ausarten, sondern Routine sein
  • Das Katzengeschirr soll nicht als Hindernis angesehen werden
  • Fremde Menschen, schreiende Kinder und Tiere  sollen keine Panik auslösen
  • Das Katzenklos sollte überall akzeptiert werde
  • etc…

Ich habe richtiges Glück, wie sonst soll ich mir das erklären? Dieser Kater stellt sich als absoluten Glücksgriff und coole Socke heraus! Klar können sich viele Sachen noch ändern, bisher hat er auf alles, was ihn konfrontiert hat positiv reagiert. Ohne Ausnahme. Allerdings nicht apathisch, wie wir schnell gemerkt haben. Denn spielen und toben kann er schon wie ein ganz Großer. Sobald ich merke, dass er Stress hat bei jeglichen Aktivitäten, werde ich handeln, dass habe ich uns beiden versprochen! 

Mein Leben ist nicht so wie es für viele die Norm ist. Spontan fahre ich von einem Ort zum anderen, gehe gerne campen und meine Reise nach Indien ist noch ganz oben auf meiner Liste! Für mich ist allerdings auch klar, dass ich nicht wegen einer Katze alle meine Pläne aufgeben werde. Das wäre keinem von uns beiden gegenüber fair. Er darf also so lange bei mir bleiben, bis er mir zeigt, dass er sich nicht mehr wohl fühlt bei uns. 

Wie hättest Du entschieden?

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply