Irland, Reisebericht Irland

Hunting in Irland – Was ist das?

9. Februar 2017

Wer meine Facebookseite und meine Instagramstories verfolgt, hat sicher bereits nicht nur einmal gelesen, dass ich auf einer Hunt war. Viele fragen sich nun: Was genau macht sie da eigentlich? Doch fangen wir mal ganz von vorne an.
ich habe Einiges recherchiert und für euch zusammengetragen. Allerdings muss ich sagen, dass vieles aus dem Internet in keinster Weise mit dem zu tun hat, was ich hier erlebe, also berichte ich euch ganz unverblümt, welche Erfahrungen ich in den letzten sieben Hunts, die ich mitreiten durfte erlebt habe. Ebenso habe ich einige Menschen auf den Hunt´s ordentlich ausgequatscht und befragt. (Alle Erfahrungen stammen von den Hunts im CO. Galway und CO. Mayo, also kann es schonmal Abweichungen zu Hunt´s in anderen Ländern und Regionen geben) 

Was ist irish Hunting?

Hunting ist zu deutsch übersetzt nicht anderes als „Jagen“. Also ist schonmal geklärt, dass es um eine Jagd geht. Doch nicht etwa mit einem Gewehr oder Fallen die aufgestellt werden. Die Jagden finden nämlich auf dem Pferd statt. Begleitet von ca. 20 -30 Jagdhunden, den sogenannten Foxhounds. Die Fuchsjagd hat seit 1600 n.Chr. in Irland eine lange Tradition. Sie ist eine verbreitete gesellschaftliche Sportart und wird von Personen jedes Alters ausgeführt. Es kann also schon einmal vorkommen, dass der Opa mit dem Enkel gemeinsam auf einer Hunt reitet.
Ursprünglich kommt die Jagd mit der Hundemeute aus Großbritannien, wo sie seit 2005 verboten wird. Dabei muss man verschiedene Begriffe unterscheiden.

Die Fuchsjagd beschreibt das Jagdreiten über die Landschaft ohne Hunde, was in Deutschland deutlich mehr verbreitet ist. Allerdings braucht man dafür weite Felder, Hindernisse und eine geeignete Strecke, was nicht immer gegeben ist.

Die Schleppjagd hingegen wird von Hunden angeführt, die einer künstlich angelegten Duftspur (der „Schleppe“) folgen. Dazu kommt dann noch die sogenannte

Parforcejagd, bei der die Meute Wild jagt. In dem Fall den Fuchs.

Manche Hunt´s werden auch direkt mit Charity verbunden. Dabei werden vor und nach der Jagd Spenden für eine Hilfsorganisation gesammelt. Generell erlebe ich hier viel Charity – Veranstaltungen in meiner Umgebung. Es wird viel Geld für einen wohltätigen Zweck gespendet.

Wie ich es erlebe: Ich habe verschiedene Menschen genauestens befragt und mich sehr für dieses Ereignis interessiert. Als ich zuerst von der Jagd hörte, dachte ich an Gewehre, die wild durch die Gegend schießen und Rehe, Füchse und Vögel abschießen.  Schnell habe ich erfahren, das keine mechanischen Waffen im Einsatz sind und auch nicht wahllos Tiere einfach so umgebracht werden.

Diese Art von Jagd hat in Irland folgenden Grund: Der Fuchs hat auf der Insel keine natürlichen Feinde und somit ist die Population unkontrollierbar. Diese Füchse erreichen in Irland auch mal sehr schnell die Größe eines ausgewachsenen Schäferhundes und reißen Schafe, Gänse, Hühner und anderes Vieh, sehr zum Leid der Farmer, denen die Felder gehören. Aus diesem Grund ist es überhaupt erst gestattet über die Felder zu reiten, da die Farmer diese Jagden nur zu gerne unterstützen möchten. Denn zertrampelte Wiesen sind generell überhaupt nicht gerne gesehen. Die organisierten Jagden finden hier in meiner Gegend von Oktober bis März statt und das jeden Mittwoch und Sonntag. Selten wird dabei ein Fuchs gefangen. Bisher habe ich einmal gehört, dass ein Fuchs erwischt wurde. Man sagte mir, alle 10 Hunts wird mal einer erwischt mit viel Glück. ABER: Es gibt auch sehr viele Hunts, die einfach nur Schleppjagden sind, oder ohne Hunde stattfinden, nicht jede Hunt, die ich reite, hat gleich auch was mit der Jagd nach dem Fuchs zu tun. Zudem finden in meinem Wohnort auch viele Fuchsjagden statt, also einfach ein großer Ausritt ohne Hunde. Der Fuchs ist in dem Fall der Reiter an der Spitze, der „gejagt“ wird.

Die Foxhounds

Auf dem unteren Bild könnt ihr die Foxhounds sehen. Begleitet werden die Hunde von den  „Master of Hounds“. Gut zu erkennen in den roten Jackets. Diese reiten mit großem Abstand zu den Reitern vorneweg. Hintenan reitet der Fieldmaster. Dieser trägt auch ein rotes Jacket. Diesen Posten übernimmt „Jackie Lee“ bei uns. (Mann in der Mitte) Er reitet einen Schimmel und springt für uns alle Hindernisse (nach den Hunden)  voraus. Es ist strikt verboten den Fieldmaster zu überholen. 

Im Schnitt sind zwischen 20 und 30 Jagdhunde (englische Foxhounds) bei der Jagd dabei. Die Größe der Hunde variiert dabei auch mal stark untereinander. Sie werden bei den Hunts in großen Trucks transportiert. Es gibt dabei den Pikör, der sich das ganze Jahr darum bemüht, dass die Foxhounds versorgt und trainiert werden. Manche haben sogar eigene Webseiten für ihre „Meute“. Mit „Schmusehund“ auf dem Sofa haben die recht wenig gemeinsam. Die Piköre „Master of Hounds“ reiten die Jagd an vorderster Stelle mit.

Eine lange Tradition

Die Jagd mit Hunden hat eine lange Tradition in Irland und reicht bis in die Antike zurück. Es gibt Irlandweit über 300 Vereine, die Jagden veranstalten und über 30.000 Mitglieder, die der Jagd beiwohnen. Für Touristen gibt es immer einen großen „Vorrat“ an Pferden, die Jagderfahrung haben und trainiert sind. Im Schnitt nehmen zwischen 25 und 50 Reitern an solch einer Jagd teil.

Wie ich es erlebe: Ich habe bereits schon mehrmals Touristen aus England und den USA mitreiten sehen. Oft sind gerade diese Menschen sehr fein herausgeputzt. Bisher habe ich es so erlebt, das Hunts mit der hohen und schwierigen Sprüngen eher weniger Mitreiter hat. Je schöner und ausgefallener die Landschaft, desto mehr reiten mit. Manche Hunt´s werden auch vertagt oder fallen ganz weg. Also gibt es keine fixe Teilnehmerzahl.

Dresscode Pferd und Reiter

Wie bei einem Turnier auch, werden die Pferde besonders schick gemacht. Mähnen werden gestutzt und eingeflochten. Das Pferd sollte sauber und gepflegt erscheinen. Das Sattelzeug wird gegebenenfalls repariert und geölt. Manche Pferde tragen Knieschoner und Gamaschen. Pferde die austreten, bekommen eine rote Schleife in den Schweif gebunden. Es gibt keine bestimmte Vorschrift, welches Zaumzeug verwendet werden muss. Reiter tragen Turnierkleidung, ordentlich zurückgebundene Haare. Ein rotes Jacket darf nur der Fieldmaster, dem gefolgt wird tragen. Wenn Besucher aus einem anderen Teil kommen tragen diese die Farbe ihres „Vereins“.

Wie ich es erlebe: Die Pferde machen alle einen gesunden und gepflegten Eindruck. Je ausgefallener die Hunt, desto mehr schicke Menschen und Pferde. Allerdings sind nicht immer alle Pferde eingeflochten oder haben eine gestutzte Mähne. Es bleibt Jedem selbst überlassen und ich habe nicht immer die Zeit, um morgens noch 2-3 Pferde einzuflechten. Ich versuche am Tag davor die Pferde ordentlich an den Beinen zu waschen und bereite das Zaumzeug vor. Wenn ich einflechte, dann immer zuerst das Pferd von meinem Chef. Viele reiten in ganz normaler Turnierkleidung oder in ganz normalen Stallkleidern. Es scheint also nicht zwingend Pflicht zu sein, ordentliche Kleidung zu tragen. ich selbst wurde nie seltsam angeschaut weil ich keine weiße Hose und Jacket getragen habe. Ansonsten scheinen der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Die Frauen sehen aus, als hätten sich sich für ihre kommende Hochzeit vorbereitet. Ich habe auch schon Frauen im Damensattel reiten sehen, mit Netz vor der Gesicht und Hut. Dabei keinen Helm zu tragen ist für mich unbegreiflich.

 


Auf den Jagden findet man die verschiedensten Outfits. Von Top Frisur bis zum Gammel-Stall Outfit. Man sieht auch, dass manche Pferde geschoren sind, manche nicht. Die Altersspanne ist auch recht großzügig vertreten wie man sehen kann. Viele Reiter tragen auch Sicherheitswesten unter und über ihren Jacken

Vor der Hunt

Um 12:30 ist Treffpunkt im Pub. Dort wird gemeinsam getrunken, geredet , getrunken und getrunken. Die Pferde sind meistens schon gesattelt und getrenst und warten während dieser Zeit in den großen Trucks. Das Saufgelage dauert dann ca. 30-45 min und der Fieldmaster beendet das Ganze, in dem er aufsteht und zu seinem Pferd marschiert. Dann heißt es schnell sein. Geparkt wird überall, wo Platz ist und vor der Hunt selbst wird noch der Beitrag entrichtet, den man bezahlen muss um teilnehmen zu können. Noch schnell einen Schluck Hot Whiskey und dann kann´s auch schon losgehen.

Los geht´s

Die Pferde werden erst einmal im Schritt und dann im Trab geritten. Manchmal muss man zuerst an der Straße oder durch ein Dorf reiten, bevor man das Feld erreicht, aber das ist eher selten. Es gilt dabei: nicht kreuz und quer reiten. Die Wiesen sollen geschont werden und hinterher nicht völlig zertrampelt sein. Das Haupttempo ist hierbei meistens Trab und ein wenig Galopp. Generell wird bei Mauern, Zäunen und Gräben (die sind hier so gut wie nie vertreten) eher hintereinander gesprungen und immer auf den Vorder- und Hintermanm geachtet. Wenn ein Pferd verweigert sollte Platz gemacht werden, um Unfälle zu vermeiden.

Der Fieldmaster reitet hierbei an der Spitze und gibt das Tempo an. Sind die Hunde dabei einen Fuchs aufzustöbern, wird gewartet bis das Horn geblasen wird. Das kann dann auch schonmal bis zu 30 Minuten dauern.

Wie ich es erlebe: In den allermeisten Fällen sind wir zu spät, was dazu führt, dass ich das Saufgelage davor gar nicht mehr so recht mitbekomme. Michael und ich reiten dann entweder in die Richtung, in die die anderen bereits verschwunden sind, oder wir kommen so rechtzeitig, dass wir uns in den Sattel schwingen und uns anschließen. Ich sehe meistens die bekannten Gesichter von der letzten Hunt wieder und man unterhält sich kurz. Generell ist alles sehr ruhig und geordnet. Sehr selten ist eines der Pferde nervös. Es kommt auch mal vor, dass wir 10-20 Minuten auf dem Feld stehen mit den Pferden und die Stille genießen. Ich selbst liebe diese Momente. Je nach Temperatur und Wetter sieht man den Dampf der warmen Pferdekörper aufsteigen und hin und wieder stimmt einer ein Lied an. Die Flachmänner werden herumgereicht und die Reiter erzählen sich einen Schwank aus ihrem Leben. Ich habe bisher immer verschiedene Pferde gehabt und die große Schwierigkeit besteht darin, sich innerhalb ein paar Sprüngen auf sein Pferd einzulassen. Jedes Pferd springt anders und wie man oben bleibt, das gilt es herauszufinden. Für mich als absoluter Beginner am Anfang nicht so leicht! Viele Sprünge können auch umgangen werden. Dann öffnen die Menschen, die überall verteilt herumstehen die Tore oder weisen die einen anderen Weg. ich selbst nutze das mal ganz gerne, wenn der letzte Sprung heftig hoch war. Was mich völlig erstaunt: Selbst die Ponies schaffen die großen Hindernisse und ich bewundere die Kids, die mit solch einer Eleganz sitzenbleiben.

links: typische Ölfässer, die hintereinander gesprungen werden
oben: Klein aber Oho! Wie man sehen kann, wird nicht nur wild drauflosgerannt. Die Reiter hinten warten bis Platz zum Springen ist.
unten: Mein Chef Michael auf Sylvester am Strand. Hierbei werden Steine aufeinandergeschichtet und mit Algen bedeckt

Die Hindernisse:

Die Hindernisse bestehen aus allen möglichen Dingen. Das häufigste sind Mauern, Äste und  Ölfässer. Dann gibt es noch Zäune, Gräben. Am Strand werden Steine zu einer Mauer aufgeschichtet. Die Höhe variiert dabei immer sehr stark. Man kann aber sagen, dass die Galway Hunts generell eher höher sind, als die in meiner direkten Umgebung in Mayo. Bei vielen Mauern stehen Menschen, gezückt mit Handykameras, Tablets und halten das Geschehen fest. Es wirkt schon fast festlich, die Stimmung ist aufgeheitert. Hin und wieder kommt es mal vor, dass Jemand stürzt. Sofort stehen Menschen bereit und fragen nach, wie sie helfen können. Hier wird immer darauf geachtet, dass keiner verloren geht.
Wie ich es erlebe: Ich fange mal bei der Schwierigkeit an. Am einfachsten sind für mich Ölfässer und drappierte Hindernisse aus Holz. Die Pferde haben damit keinerlei Probleme und der Sprung gelingt sauber. Am schwierigsten sind die Mauern. Je höher und breiter, desto schwieriger. Ich kann nur schätzen, aber ich denke das Höchste, was ich gesprungen bin lag bei 1,50m.
Je mutiger das Pferd, desto leichter für mich. Je weiter hinten ich reite, desto höher ist die Gefahr, dass vor der Mauer oder hinter der Mauer bereits Steine liegen. Die Pferde haben unglaubliches Geschick diesen Steinen auszuweichen. Nur musst Du versuchen, dabei oben drauf zu bleiben. Mauern, die hinten abschüssig sind, habe ich bisher noch keine erlebt, ich hoffe ich bleibe davon verschont. Genauso wie Gräben. Für mich absolutes Neuland. Wie viele Hindernisse genau es jedes Mal sind, lässt sich schwer abschätzen, aber mir wurden bereits Zahlen zwischen 80 und 130 Hindernissen genannt. Also auch das variiert immer sehr stark. Ich springe im Schnitt 20-30 Hindernisse.
Meine eigene Meinung zur irish Hunt:

Die Jagd auf den Fuchs:

Die Jagd selbst auf den Fuchs beschäftigt mich an dieser Stelle noch am Wenigsten. Ich erlebe, dass hier das Reiterliche und das Erlebnis mehr im Vordergrund stehen, als die eigentliche Jagd. Ich habe auch immer das Gefühl, dass die Master of Hounds so ihr Eigenes Ding machen. Keiner gafft und fragt nach, ob was gefangen wurde, den Mitreitern geht es vielmehr um die Möglichkeit sich Draußen mit dem Pferd auszutoben. Ich kann die Gründe, wieso Jagd auf den Fuchs gemacht wird nachvollziehen und mehr möchte ich dazu gar nicht loswerden. Ob man das unterstützen möchte mit seiner Teilnahme oder nicht, bleibt jeder Person selbst überlassen. Jagd wird so oder so gemacht, ob ich dabei bin oder nicht interessiert in dem Fall keinen. Mir fällt eben nur stark auf, dass die eigentliche Jagd in dem Fall gar nicht im Vordergrund steht.

Die Hindernisse:

Hier fängt es an kritisch zu werden. Ich gehe über jeden Sprung mit einer gehörigen Portion Respekt. Manchmal auch Angst. Bin ich drüber schüttet mein ganzer Körper Adrenalin aus. Ich bin bereits 5 Mal heruntergefallen und habe mir in keinster Weise weh getan. Und das will was heißen bei den Mauern und einem Pferd, dass an die 1,70m hoch ist. Ich war so voller Hormone, dass ich mich wie berauscht gefühlt habe. Ich weiß jetzt wie es sich anfühlt, wenn der Körper jegliche Bewegung verweigert. Ich habe des öfteren vor einer Mauer gestanden und hatte absolute Blockaden. Mein Pferd war zudem noch unsicher und verweigerte öfter, da ich ihm mit keinster Weise das Zeichen gegeben habe, da auch wirklich drüber zu wollen.
Mit einem sicheren und erfahrenen Pferd hatte ich die Probleme nicht. Man kann auch in dem Fall nichts verallgemeinern, denn es gibt Hunts, da läuft alles super und die Sprünge sind super gemacht. Ich habe sehr schnell erfahren, dass das Springen über Mauern rein gar nichts mit dem Springreiten wie ich es kenne zu tun hat.

Als ich erwähnte, dass ich auf dem Reitplatz Springen üben möchte, erntete ich des Öfteren ein müdes Lächeln. Die Meisten sagten mir, lernen kann ich es nur draußen. Viele von den Reitern springen zu Hause gar nicht, was man auch sehen kann. Bemängeln muss ich allerdings stark die Rücksichtnahme auf die Pferde. Es kommt eben einfach keiner auf den Gedanken die Steine hinter den Mauern wegzuräumen. Oft steht niemand dabei und die Gefahr, dass die Pferde auf die Steine springen ist definitiv gegeben. Ich selbst bitte immer eine Person darum, bevor ich springe um mich und mein Pferd nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Es gibt auch Reiter, die über Zäune oder schräge Gatter springen, was ich absolut vermeide und bisher auch nie musste, da mir die Gefahr, dass mein Pferd hängenbleibt einfach viel zu groß ist.

Die Reiter:

Ein fetter Minuspunkt sind ein paar Teilnehmer der Hunt. Als ich Fotos sah, auf denen die Reiter nicht in den leichten Sitz gingen und wild über die Hindernisse schossen, fragte ich mich, wie man so Etwas Springreiten nennen kann. Ich habe nachdem ich 4 Mal heruntergefallen bin auch sehr schnell herausgefunden, wieso das so ist. Ich bin jedes Mal in den leichten Sitz, brav die Arme nach vorne, den Oberkörper über den Hals. Jetzt weiß ich wie es auf einer Hunt definitiv schief gehen kann. Und jetzt verstehe ich auch das Lächeln, als ich sagte, ich müsste auf dem Platz springen üben.
Jedes Pferd springt völlig anders und in dem Fall hatte ich ein Pferd erwischt, welches langsamer an den Sprung geht, viel Bestätigung von oben braucht und eher hoch als weit springt. Im Grunde musst Du im Sattel bleiben, die Schultern nach hinten nehmen und versuchen die Balance zu halten.
Aber wieso Minuspunkt, wenn ich es gleich wieder rechtfertige? Für mich besteht ein großer Unterschied darin, zu versuchen die Balance zu halten und der Tatsache, dass sich manche einfach nicht darum scheren, mit wie viel Gewicht sie ihrem Pferd in den Rücken knallen. Wie in jedem Sport gibt es auch bei der Hunt richtig miese Reiter, die man am Liebsten vom Pferd holen möchte. Wenn die Gerte von Zuhause nicht mehr ausreicht, das Pony nicht mehr darauf reagiert wird die „Pipe“ genommen. ein langes Stück Kunststoffrohr. Hört sich schrecklich an, ist auch so. Oft sehe ich kein Einziges, aber auch die sind hin und wieder mal vertreten. Das Schlimme daran ist: Je jünger, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit. Mädchen sehe ich öfter auf ihre Pferde einprügeln als Jungs. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie versuchen ihre schmächtige Gestalt zu kompensieren. Das soll es nicht entschuldigen, nur eine Vermutung meinerseits.

Das Tempo:

Eines der angenehmsten Dinge, die ich hier erlebe. Wirklich extrem selten spinnt mal eines der Pferde und rennt los, aber das ist wirkliche eine absolute Seltenheit. Es wird auch nicht wild durch die Gegend gefetzt, sondern wirklich darauf geachtet, dass jeder nachkommt und kein durcheinander entsteht. Wir traben auch hin und wieder über Asphalt, was sich bei 50 Reitern unschön anhört, für mich aber völlig im Rahmen ist. Keiner ist gezwungen zu traben oder zu galoppieren. Oft genug werden Pausen gemacht, sodass man immer wieder den Anschluss findet. Ich würde fast behaupten, dass wir manchmal sogar mehr stehen als zu reiten.

 

 

 

links: Der Spaß kommt nicht zu kurz: Manche Reiter gehen auch eine Runde schwimmen und lassen ihre Pferde im Wasser laufen.
oben: Die Reiter werden nach Möglichkeit immer von 4-5 Auto verfolgt, so ist immer Jemand zu Stelle, falls notwendig.
unten: Die Master of Hounds im Gespräch. Die Hunt läuft generell immer sehr gemütlich zwischendrin ab. Auf dieser wurden auch keine Füchse gejagt. 

Fazit

Die Hunts sind zum einen Teil mein Job. Meine Aufgabe ist es unter der Woche die Pferde fit zu halten und für die Hunts am Wochenende zu trainieren. An den Wochenenden selbst reite ich in meiner Arbeitszeit, also werde quasi auch dafür bezahlt. Zum anderen Teil sind sie jedes Mal eine große Herausforderung für mich. Ich selbst habe viel erlebt und ich habe vor Allem eins gelernt: Über mich selbst hinauszuwachsen. Wie oft habe ich gehofft den Tag ohne Schaden zu überstehen, gleichzeitig war ich voller Adrenalin und konnte den nächsten Sprung kaum abwarten. Es ist wie eine wilde Achterbahnfahrt oder ein Bungee-Sprung. Die Menschen auf den Hunts sind so verschieden, dass man es kaum beschreiben kann. Von der Pferdebesitzerin, die ihr Pferd zur Schau stellt und es von vorne bis hinten verpflegt, bis hin zum Reiter, der sein Pferd als Sportgerät sieht und sich auch sonst nicht dafür interessiert. Es ist alles vertreten.

Doch wieso ich mich da überhaupt aufhalte? Wieso nicht kündigen und einen anderen Stall suchen, der so Etwas nicht macht. Ganz einfach: Mein Stall ist mit Abstand eines der Besten hier. Zudem ist nicht Alles schlecht, was ich auf den Hunts sehe. Die schwarzen Schafe möchte ich euch aber eben auch nicht vorenthalten. Ich habe beschlossen auch mal doofe Situationen bewusst in meinen Instagramstories  und auf Fotos zu zeigen. Einfach, weil ihr auch sehen dürft, dass nicht immer alles rosarot ist! Dort sieht man eben auch, dass die Gerte zum Einsatz kommt und Menschen keinerlei Rücksicht auf sich und ihre Tiere nehmen. Ich will ehrlich sein und nichts verherrlichen, was auch mal unschön ist. Die Hunt ist nichts für schwache Nerven und erfordert Mut, Geschicklichkeit und Ausdauer. Ich habe unendlich viel über mich und meine Grenzen gelernt und bin mehr als froh so einen Chef wie Michael zu haben, der mich erst über die Hindernisse zwingt und mir dann mit einem „Well done“ ins Gesicht lacht. Er weiß wie wichtig es ist auch mal Etwas zu wagen und seine Angst zu überwinden.

Für mich selbst ist es wichtig fair zu sein und das Beste für das Pferd in dem Moment zu bieten. Tiergerechter Umgang ist das A und O. Wenn man weiß, wie man sich fair zu verhalten hat und so wie ich keine Gerte benutzt, um ein Pferd über den Sprung zu schicken, ist es kein Sport, der dem Pferd mehr schadet als jeder Andere. Wenn ich bemerken würde, dass in meinem eigenen Stall unfaire Methoden angewandt werden würden, dann wäre es absolut keine Frage, wie ich entscheiden würde. Allerdings sehe ich einen Chef, der seine Pferd liebt und das Bestmögliche für sie macht, bedacht ist ihnen Pausen zu gönnen und immer daran interessiert ist, dass sie genug Bewegung und Auslauf haben. Viel zu selten kann man das hier in Irland beobachten und diesen kulturellen Unterschied muss man auch erst einmal gesehen und erlebt haben, um zu begreifen, was Pferde in Irland für eine Rolle spielen.

Ich habe gelesen, dass man eine ganze Portion Verrücktheit und Abenteuerlust braucht, um an einer solchen Hunt teilzunehmen. Nachdem ich jetzt einige Erfahrungen sammeln durfte, kann ich das nur bestätigen. Es gehört schon Einiges dazu. Angefangen bei dem Aufwand davor, das Saufgelage vor und nach der Hunt und dem kunterbunten Mix an Menschen, die super nett und schrecklich zugleich sind. Nichts anderes sieht man auch auf ettlichen Turnieren in Deutschland auch. Nur nicht so irisch 😉 Ich hatte in meinem Leben noch nie so viel Angst und Freude zur gleichen Zeit. 

Im Anschluss gibt es noch ein paar Fotos mit Beschreibung! 

 

links: Der Farmer steht bereit um die Reiter durchzulassen. Wenn man einen Sprung nicht gehen will, kann man auch diesen Weg gehen.
oben: Mir ist fast die Kinnlade rutergefallen, als ich sah das die Frauen im Damensattel ebenso springen
unten: Fleißige Helfer richten die Mauern und räumen alle Steine weg.

links: So sieht es dann aus, wenn Pipper vor der Mauer beschließt, dass ein Umweg eine bessere Idee ist. War ich ganz seiner Meinung 😉
oben: Der Huntsman bläst das „Horn“
unten: Verrückte Reiter wirklich überall! 🙂 

links: Manche Hindernisse sind verdammt hoch und unübersichtlich
oben: Äste wurden zu einem kleinen Sprung drappiert. Hier hatte Pipper deutlich mehr Spaß! Der Ast überhalb von mir war allerdings echt fies! 
unten: Geparkt wird da, wo Platz ist. Der Pub sollte allerdings noch begehbar sein.

links: Eines der Dinge, die ich überhaupt nicht mag und auch, wenn es möglich ist, den Weg außen herum wähle: Auf den Asphalt springen. Kommt zwar extrem selten vor, aber habe ich auch schon erlebt.
oben: Idioten gibt es überall…
unten: Hauptsache man bleibt oben. Dinge, die ich nicht gerne sehe! 

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2 Comments

  • Reply blayhookandthechaoskids 9. Februar 2017 at 22:26

    Ich finde es gut das Du auch über die negativen Dinge berichtest, die meisten trauen sich das ja heutzutage nicht mehr, im Internet.
    Persönlich halte ich jetzt nichts von der Fuchsjagd, ist in DE ja aber auch nochmal ein anderer Punkt als in anderen Ländern 🙂
    Mit meinem Pony hab ich einmal bei einer Schleppjagd mitgemacht und so ziemlich jeden Fehler mitgenommen der ging. ^^ Ich hatte keine Ahnung wie so etwas ablief…
    Auf den ersten zwei Kilometern hatte meine Isländerstute es geschafft, den Hannoveraner unseres Masters zu überholen und ich war in der Hundemeute drinnen, jaaa….
    Beim ersten Hindernis (Stockmaß Pony: 130, Hindernis: 140, Erfahrung: 0), hatte ich natürlich gleich erstmal einen Abgang gemacht, weil ich nicht damit gerechnet hab, dass mein Pony das ohne zu zögern springt.
    Waren glaube ich die adrenalinreichsten zwei Stunden, die ich mit meinem Pony hatte.
    Sobald ich mein Pferd fertig ausgebildet habe, ist die Schleppjagd hier auch wieder auf meinem Plan.

    Aber im Damensattel? Und ohne Helm? 😮 Sind die Iren ein bisschen verrückt? ^^

    Aber ich hätte nicht gedacht, das die Hunts in Irland sogar mehrmals wöchentlich stattfinden. Wie weit fahrt Ihr denn dafür vom Hof aus raus?

  • Reply VictorinaX 16. Oktober 2017 at 6:30

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